Was „Made in Europe“ wirklich bedeutet: Leitfaden zu Ursprungsregeln
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Was bedeutet „Made in Europe“ wirklich?
Angaben wie „Made in France“, „Made in Italy“ oder „Made in the EU“ bedeuten nicht zwangsläufig, dass sämtliche Rohstoffe und Produktionsschritte aus dem auf dem Etikett genannten Ort stammen.
In der Europäischen Union wird der Ursprung in erster Linie nach den nichtpräferenziellen Ursprungsregeln bestimmt. Sind mehrere Länder beteiligt, wird ein Produkt im Allgemeinen dem Land zugerechnet, in dem seine letzte wesentliche Be- oder Verarbeitung stattgefunden hat. Bei Textilien kommt es daher auf die tatsächlich entscheidenden Arbeitsschritte an: Zuschnitt, Konfektion, Montage und andere wesentliche Verarbeitungen.
Der französische Fall: Was ist für „Made in France“ erforderlich?
In Frankreich müssen Angaben wie „Made in France“ oder „Fabriqué en France“ den geltenden EU-Ursprungsregeln entsprechen.
Je nach Produkt kann der Ursprung von einem bestimmten Herstellungsschritt, einem Wechsel der Zolltarifposition, einem Höchstanteil nichtursprünglicher Materialien oder einem ausreichenden Verarbeitungsgrad in Frankreich abhängen.
Bei Textilien reicht eine leichte Endbearbeitung nicht unbedingt aus. Bei bestimmten T-Shirts der KN-Position 6109 verleihen beispielsweise bloßes Bedrucken, Beflocken oder Verpacken in Frankreich allein keinen französischen Ursprung. Die Konfektion muss die anwendbare Ursprungsregel erfüllen.
Ausländische Rohstoffe können deshalb in einem Produkt französischen Ursprungs verwendet werden, sofern die in Frankreich durchgeführten Herstellungsschritte die rechtlichen Kriterien erfüllen.
Eine französische Besonderheit: Information sur le Made in France (IMF)
Frankreich bietet ein besonderes Verfahren namens Information sur le Made in France (IMF).
Mit diesem kostenlosen Verfahren kann ein Unternehmen seinen Herstellungsprozess dem französischen Zoll vorlegen, einschließlich der verwendeten Materialien, ihrer Herkunft, der Produktionsstufen und der Länder, in denen diese stattfinden. Der Zoll kann anschließend beurteilen, ob der Prozess eine französische Ursprungsangabe rechtfertigt.
Das IMF-Verfahren ist nicht verpflichtend, kann eine Ursprungsangabe jedoch vor der Vermarktung rechtlich absichern. Ursprungsangaben können außerdem vom französischen Zoll und der DGCCRF kontrolliert werden, wenn sie Verbraucher irreführen könnten.
Frankreich, Italien, Portugal, Deutschland: Sind die Regeln unterschiedlich?
Die zollrechtliche Grundlage ist in der EU weitgehend gemeinsam, einige Länder verfügen jedoch über ergänzende nationale Verfahren oder besonders geschützte Angaben.
Frankreich: Es gelten die EU-Ursprungsregeln; zusätzlich kann das IMF-Verfahren für eine offizielle Beurteilung des Herstellungsprozesses genutzt werden.
Italien: Auch hier gelten die EU-Regeln, Italien schützt jedoch Angaben wie „100% Made in Italy“ besonders. Eine solche Formulierung setzt einen höheren Anteil italienischer Herstellung voraus als eine gewöhnliche italienische Ursprungsangabe nach Zollrecht.
Portugal, Deutschland, Spanien, Polen, Rumänien und Bulgarien: Auch diese Länder bewegen sich im EU-Ursprungsrahmen. Unterschiede bestehen vor allem bei nationaler Kontrolle, zuständigen Behörden und ergänzenden nationalen oder branchenspezifischen Regelungen.
„Made in France“ und „Made in Portugal“ beruhen also nicht auf zwei völlig getrennten Definitionen des Zollursprungs. Die rechtliche Grundlage ist weitgehend dieselbe, während Prüfung und Darstellung variieren können.
„Made in Europe“ umfasst auch große Lohnunterschiede
Produktion in Europa bedeutet nicht dieselbe Kostenbasis. Eurostat-Daten für Juli 2026 zeigen deutliche Unterschiede bei den ungefähren monatlichen gesetzlichen Bruttomindestlöhnen:
| Land | Ungefährer monatlicher Bruttomindestlohn |
|---|---|
| Deutschland | 2.343 € |
| Niederlande | 2.338 € |
| Frankreich | 1.867 € |
| Spanien | 1.425 € |
| Polen | ca. 1.100 € |
| Portugal | 1.073 € |
| Rumänien | 825 € |
| Bulgarien | 620 € |
Italien, Dänemark, Österreich, Finnland und Schweden haben keinen einheitlichen gesetzlichen nationalen Mindestlohn; Lohnuntergrenzen werden dort überwiegend durch Tarifverhandlungen bestimmt.
Diese Zahlen entsprechen nicht direkt den Löhnen von Textilarbeitern, verdeutlichen aber die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb Europas.
Wie wirkt sich das auf den Preis eines Kleidungsstücks aus?
Der Endpreis hängt von vielen Faktoren ab: Stoff, Zutaten, Produktionsmengen, Energie, Logistik, Qualitätskontrolle, Steuern und Margen. Arbeit bleibt jedoch ein wichtiger Bestandteil der Bekleidungsherstellung.
Bei vergleichbaren Produkten führen Zuschnitt, Nähen und Finish in einem Land mit höheren Löhnen und Arbeitgeberkosten in der Regel zu höheren Herstellungskosten. Zwei Kleidungsstücke können daher beide „Made in Europe“ sein und dennoch sehr unterschiedliche Kostenstrukturen haben, je nachdem, ob sie in Frankreich, Portugal, Rumänien oder Bulgarien hergestellt werden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass eines besser ist. Es erklärt aber, warum „Made in Europe“ allein den Preis eines Produkts nicht erklärt.
Warum das genaue Herstellungsland wichtig ist
Für Verbraucher ist es oft aussagekräftiger zu wissen, wo ein Kleidungsstück zugeschnitten, genäht, zusammengesetzt und fertiggestellt wurde. Eine präzise nationale Ursprungsangabe liefert deshalb mehr Informationen als die allgemeine Aussage „Made in Europe“.
Bei ERVERTE Paris
Bei ERVERTE Paris bevorzugen wir präzise Angaben zum Herstellungsort statt einer allgemeinen Bezugnahme auf Europa. Unser Ziel ist, verständlich zu machen, wo die wichtigsten Produktionsschritte tatsächlich stattfinden und was die verwendete Ursprungsangabe konkret bedeutet.
Fazit
„Made in Europe“ umfasst sehr unterschiedliche Realitäten. Europäische Länder teilen einen großen Teil des Ursprungsrahmens, während nationale Prüfverfahren, ergänzende Systeme und Produktionskosten stark variieren können.
Frankreich zeichnet sich durch das IMF-Verfahren und Kontrollen durch Zoll und DGCCRF aus, Italien durch den besonderen Schutz stärkerer Angaben wie „100% Made in Italy“. Für eine sinnvolle Bewertung eines Kleidungsstücks sollte man daher auf das genaue Herstellungsland, die dort ausgeführten Arbeitsschritte und die Transparenz der Marke achten.
Quellen
- Europäische Kommission — Nichtpräferenzielle Ursprungsregeln
- Eurostat — Mindestlohnstatistiken
- Französischer Zoll — Information sur le Made in France (IMF)
- DGCCRF — Fabriqué en France
- Italienische Gesetzgebung — Schutz von „100% Made in Italy“
Mehr erfahren: Lesen Sie, was „Made in France“ bei Kleidung wirklich bedeutet.